Akte X

Draußen vor der Tür

Das englische Wort „alien“ kann außerirdisch, ausländisch und fremd bedeuten. Das ist weder besser noch schlechter als Irdisches, Inländisches oder Vertrautes. Es ist schlicht anders. Manche Menschen erschreckt das, andere nicht.

Der Mensch erfand sich irgendwann die Aliens als fremde Lebewesen aus einer fremden Welt in Erscheinungsformen wie umherhuschenden hohen lichten Gestalten mit einem dreieckigen Kopf und Schlitzaugen oder als grüne menschenähnliche Wesen vom Mars. Das Alien stammt aus der Sehnsucht und der Vermutung, dass es auch auf anderen Planeten Leben geben könnte. Da Aliens in Filmen und in der Literatur sehr häufig hoch technisiert und von sehr weit her auf der Erde landen, wird bei ihnen eine höhere Intelligenz befürchtet.

Das macht Angst. Doch verspricht das Unbekannte und Fremde auch Abenteuer und Abwechslung vom trottigen Alltag.

Wenn die Aliens, die fremden Außerirdischen, auf die Erde kommen, landen sie bevorzugt in den USA. Doch besuchen sie auch andere Teile der Welt, um die Begegnung mit uns Menschen zu suchen. So geschehen im Roman „Krieg der Welten“ von H. G. Wells.

Der Science-Fiction-Roman erschien 1898. In ihm greifen Marsianer das Vereinigte Königreich an. Das Militär zeigt sich hoffnungslos unterlegen. Die Welt wird von den Marsianern in Schutt und Asche gelegt. Letztendlich werden die Angreifer durch irdische Bakterien getötet, die mit dem marsianischen Immunsystem inkompatibel sind. „Krieg der Welten“ („The War of the Worlds“) war eine Satire auf die Kolonialpolitik des Empires. Der Autor H. G. Wells vertauschte die Rollen von Eroberern (die Fremden – die Marsianer) und Eroberten (die Briten). Eine der primitivsten „Lebewesen“, Bakterien, werden die Menschen retten. (Warum lässt Wells die Marsianer nicht überleben?)

Fernverkehrsmittel für Alien: Das UFO
Bildquelle: Marianne J. / pixelio.de

Durch eine zu häufige Begegnung mit Aliens besteht natürlich die Gefahr des Miteinandervertrautwerdens. Ist das erwünscht? Der Reiz und auch die wohlige bis schauerliche Angst liegen doch im Unbekannten.

Will der Mensch eigentlich mit Alien/Fremden befreundet sein?
Der Film „Ziemlich beste Freunde“ wagt dieses Gesellschaftsspiel. Das rassistische Meisterwerk hat derzeit Rekordbesuchszahlen im Kino. In dem Film von Olivier Nakache und Éric Toledano wird ein „wilder Schwarzer“ domestiziert. Bei der Pflege eines weißen, reichen, behinderten Mannes wird der „Neger“ zu einem wertvollen Mitglied unserer Gesellschaft gezüchtet und gezüchtigt. Der dunkelhäutige Mann ist gutaussehend, jung, potent, gesund und stark. Er ist arm, ungebildet und hat ein ungestümes Temperament. Er war genau in dem Land im Gefängnis, in dem er nach einem neuen Zuhause suchte. Der aus Senegal stammende „wilde“ Mann wird sogar mit richtigem Geld für seine Arbeit bezahlt, nicht mit Glasperlen.
Der Film präsentiert auf dem Multikulti-Teller eine win-win-Situation.

4 von 10 Deutschen glauben an Alien

Outdoor. Wie FOCUS Online berichtet, glauben vier von zehn Deutschen an Außerirdische. Von den befragten 1000 Personen befürworteten 35% der Frauen und 47% der Männer die Existenz von Alien. Mehr zu dieser Umfrage auf focus.de

Gerhard Polt geht gnadenloser mit „positivem Rassismus“ um. Er erzählt in einem seiner Texte von einem weißen, deutschen Ehepaar, das sich zum heimischen Weihnachtsfest einen „Weihnachtsneger“ einlädt. Da er ihnen zu viel transpiriert, beschließen sie, sich im nächsten Jahr einen Indianer heimzuholen.
In Polts Film „Fast wia im richtigen Leben“ wird der neue Mieter, der „Schwarzafrikaner“ Herr Tschabobo, zum Guglhupf eingeladen. Herr Tschabobo soll auf der Kindertrommel des Sohnes trommeln, um Urwaldatmosphäre zu erzeugen. Der braunhäutige Mann, der in Frankfurt am Main gerade in molekularer Spektralanalyse promoviert, lehnt ab. Er sei nicht aus dem „Busch“. Die Kuchengesellschaft besteht auf der Trommelei. Widerwillig und unmusikalisch klopft Herr Tschabobo auf der Trommel herum. Der von Gerhard Polt gespielte Familienvati kommentiert: „Des hams halt im Blut, die Neger.“

In der Musik sind Fremde hingegen sehr beliebt. Vom „Stranger in the night“ sang Frank Sinatra. „Schöner, fremder Mann“ sang Connie Francis. Der britische Musiker Sting sang beim Wandern durch New Yorker Straßen „I’m an alien, I’m a legal alien, I’m an Englishman in New York“.

In den 1990er Jahren zeigte eine Ausstellung über außerirdisches Leben im Münchner Forum der Technik ein „Schamalien“. Trotz sichtbar nicht vorhandener Geschlechtsteile lag über dem Unterleib ein Tuch.
Zeichnung: HyP

Um Kinder an das Sujet heranzuführen, wurden Kuschel-Alien wie Alf und E.T. erfunden. Sie sind eher keine Bedrohung und müssen mitunter sogar beschützt werden.

„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“ sinnierte einst Karl Valentin. Wie kann also mit Aliens im Zeitalter der Globalisierung umgegangen werden? Die Welt ist schon seit längerer Zeit erkennbar. Das Internet verbindet die Erdteile. Der Mond wurde besucht. Eine Mission zum Mars wird vorbereitet.
Wie kann das Fremde fremd bleiben, um seine Faszination zu erhalten?

Neben den USA als Hauptreiseziel landen Alien mit ihren Raumschiffen am allerliebsten in kapitalistischen Ländern. Die sozialistischen Länder scheinen sie gemieden zu haben.
Weil dadurch der Kontakt mit der us-amerikanischen Bevölkerung bisher wohl der intensivste war, stellte der TV-Sender National Geographic Channel im Juli 2012 die Frage, auf welchen Präsidentschaftskandidaten sich die Menschen in Extremsituationen wirklich verlassen könnten. Zwei Drittel der US-AmerikanerInnen antworteten in dieser Umfrage: Barack Obama. Ihm wurde die größte Kompetenz zugesprochen, wenn es darum ginge, eine Invasion von Außerirdischen abzuwehren.

Die FBI-AgentInnen Dana Scully und Fox Mulder lassen sich kein U für ein X vormachen.
Foto: KIRCH MEDIA GMBH & CO. KG. AA

„Akte X“ läuft zur zur Zeit nicht im deutschen Fernsehen, die DVDs sind bei 20th Century Fox erhältlich.
Bildnachweis: 20th Century Fox

Weiteren mysteriösen Fällen widmete sich die us-amerikanische Fernsehserie „Akte X“ („The X-Files“), die von 1993 bis 2002 produziert und gesendet wurde. Science-Fiction-, Fantasy-, Horror- und Krimi-Elemente wurden miteinander verwoben. Die Serie „Twin Peaks“ ist eine Vorläuferin von „Akte X“. „Akte X“ kann als ein Grundstein für das Mysterygenre in seiner heutigen Form angesehen werden.

Scully und Mulder im Einsatz.
Foto: 20th Century Fox

Die Serie von Chris Carter versucht, sich dem Fremden von zwei Seiten zu nähern.
FBI-Agent Fox Mulder glaubt an außerirdisches Leben. Vor seinen Augen wurde seine Schwester auf geheimnisvolle Weise entführt. Das letzte, was er von ihr sah, war ein helles Licht. Das ist viele, viele Jahre her. Seitdem sucht er sie und trifft dabei natürlich auf viel Übernatürliches. Mulder zur Seite wurde die Wissenschaftlerin Dana Scully gestellt. Sie ist für den wissenschaftsgläubigen und damit alienungläubigen Part zuständig. Sie wird eines Besseren belehrt werden.
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.

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