Six Feet Under

Der Sinn des Lebens

Der Frage wie das Leben vor dem Tod aussehen kann, geht die TV-Serie „Six Feet Under“ nach. Die Undertaker-Familie Fisher muss alle Höhen und Tiefen des irdischen Freuden- und Jammertals erfahren. Die Mehrgenerationen-Familie lebt in einem Multifunktionshaus in Los Angeles. Oben wird gewohnt und gelebt, unten werden die Toten für das Public Viewing präpariert und gestylt. Am Ende der Serie – im Jahr 2085 – werden alle tot sein. Bevor es soweit ist, fliegen die Fetzen.

Mitten aus der Vergänglichkeit des Lebens hat der Filmemacher Alan Ball einen Kosmos von Menschen erschaffen, die – koste es, was es wolle – leben und glücklich sein wollen. In jeder Sekunde ihres Lebens, mit jeder Faser ihrer Leiber und Seelen. Sie durchleben Leidenschaft, Traurigkeit, Phantasie, Kreativität, Sex-Erotik-Sinnlichkeit, Drogen, Kampf, Glück, Unglück, Katastrophen, Liebe, alle Höhen und Tiefen des überirdischen Lebens. Das Unterdirsche, das sechs Fuß tief wartet, soll weiter warten …

Das auf Rosen gebettete Leben, six feet over.
Foto: © 2012 Home Box Office, Inc. All rights reserved. HBO® and all related programs are the property of Home Box Office, Inc.

Vernünftige Menschen wissen ganz genau, dass sie eines Tages sterben werden.
Die Skeptischeren und Optimistischeren versuchen das eigene Ende durch Testamentsverweigerung zu verhindern. Denn: Wer kein Testament schreibt, stirbt nicht.

Leben im Angesicht des Todes ist mit einem naseweisen Schlemmen unterm Damoklesschwert vergleichbar. Leben ist eben immer lebensgefährlich, schrieb einst Erich Kästner.
Wozu sich im Leben abmühen, wenn mensch eh‘ sterben soll? Um mit diesem Dilemma zurechtzukommen, haben sich die Menschen verschiedene Bewältigungsszenarien entwickelt.

Der Unsterblichkeitsgedanke
Wer die Vorstellung vom eigenen Tod nicht erträgt, kann sich einreden, unsterblich zu sein.

Um die Unsterblichkeit und den Traum vom ewigen Leben ranken sich viele Märchen und Geschichten.
Doch die Unsterblichkeit hat auch ihren Preis. Wie Wünsche überhaupt.
Das Chanson „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ behauptet, Wünsche wären nur schön, solange sie unerfüllbar wären. Der Mensch will sich das Glück nicht mal in der Phantasie gönnen. Geschichten, die vom schief gegangenen Wünschen erzählen, gibt es en masse. Auf die Begegnung mit der Fee, bei der mensch drei Wünsche frei hat, sollte mensch sich rechtzeitig und gut vorbereiten. Ganz wichtig ist auch, alle Nebenwirkungen der ausgewählten Wünsche zu beachten. Sonst bleibt nur, mit dem allerletzten Wunsch alles wieder in den Urzustand zu bringen. So geschehen im Märchen vom „Fischer und seiner Frau“ der Gebrüder Grimm.

Personell sind diese Geschichten mit allerlei Märchenwesen, Fabelwesen und Phantasiegestalten, – unter vielen anderen – mit Vampiren, besetzt. Nach dem Wechsel in den Unsterblichkeitsmodus müssen die Vampire allerdings tagsüber in abgedunkelten Räumen bleiben und sich vor silbernen Dingen und Holzpflöcken in Acht nehmen. „Frei“ dürfen auch sie nicht sein.
In der Serie „True Blood“ hat ein (körperlich 18jähriger) Vampir nach 1000 Jahren endgültig die Nase voll vom Leben und klettert zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf das Dach eines Hochhauses in Louisiana, um freiwillig in der Morgensonne zu verbrutzeln und um endlich „seinen Frieden zu finden“.

Der Tod und der damit verbundene Frieden sollen anscheinend etwas Verlockendes haben. Der Mensch habe dann endlich seine Ruhe und kann Platz für die Nachgeborenen machen.

Leben und Sterben in der Literatur

Wie zur Bestrafung wandern die unsterblichen Highlander und der Ewige Jude (der Wandernde Jude) durch die Welt und die Zeit. Die Menschen um sie herum altern und sterben. „Jung“ und einsam bleiben sie zurück.

In seinem Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ lässt Oscar Wilde nur den gemalten Dorian Gray auf einem Gemälde altern. Der Mensch Gray bleibt jung. Doch eines Tages erträgt der junggebliebene und schöne Dorian sein Altes Ego in Öl nicht mehr und geht mit dem Messer auf sein Ebenbild los. Auch diese Geschichte geht schlecht für die Unsterblichkeit aus.

Goethes Faust verkauft für eine neue Jugendlichkeit seine Seele an den Teufel und verrät dafür seine Geliebte Margarete.

„Six feet under“ wurde als „Gestorben wird immer“ ins Deutsche übersetzt.
Bildnachweis: © 2012 Home Box Office, Inc. All rights reserved. HBO® and all related programs are the property of Home Box Office, Inc.

Zahlenspiele
Eventuell warten mindestens 72 Jungfrauen im Paradies als Belohnung für die Selbstmordattentäter. Doch was kriegen Selbstmordattentäterinnen für ihren Ganzkörpereinsatz?

In seinem Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ stellt der britische Autor Douglas Adams dem Computer Deep Thought die Frage nach dem Sinn des Lebens. Der Rechner überlegt 7,5 Millionen Jahre lang und kommt zu dem Ergebnis: 42.

Wer früher stirbt, ist länger tot
Truman Capote schrieb 1948 in seiner Erzählung „Master Misery“: „[…] wenn man aus dieser Welt geht, sollte die Welt auch aufhören zu sein […]“
Eine tröstende Idee. Doch als Capote 1984 starb, drehte sich die Welt weiter.

Es bleibt nur die Eigeninitiative. Das Leben in vollen Zügen zu genießen – weil eben „nichts nachher kommt“ (Brecht) –, muss nicht nur in der Eisenbahn passieren.

So verlockend die Idee der Reinkarnation erscheint, vielen fehlt allein der Glaube daran.
Im Jahr 1603 ließ William Shakespeare seinen Hamlet viel grübeln, so auch über den „Tod – das unentdeckte Land, von des Bezirk kein Wanderer wiederkehrt.“

402 Jahre später hat sich die Idee einer eventuellen Wiedergeburt immer noch nicht ausreichend durchgesetzt. Im Jahr 2005 sang der Punkmusiker Farin Urlaub „Wir haben nur dies eine Leben / Ein zweites kann dir keiner geben.“ Die Mühen der Ebene bleiben, sich selbst das Wunder eines vogelwilden und erfüllenden Leben zu gestalten.

Die britischen Monty Pythons gehen in ihrem Film „Der Sinn des Lebens“ der existenziellsten aller Fragen nach. Am Ende des Films wissen sie, worauf es im Leben ankommt:
„Seien Sie nett zu Ihren Nachbarn, vermeiden Sie fettes Essen, lesen Sie gute Bücher, gehen Sie spazieren und versuchen Sie, mit allen Menschen in Frieden zu leben.“

………
Link zum weiterleben

Jede Folge von „Six Feet Under“ beginnt mit einem Todesfall. Der Episodenführer hat alle gewöhnlichen und absurden Sterbemöglichkeiten aufgelistet.

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