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Twin_Peaks!!! Louisiana!!! New Mexico!!! Kalifornien!!! Washington!!! Florida!!!

Serielles für Couch Potatoes

US-amerikanische Fernsehserien haben ihren festen Platz in der anspruchsvollen Populärkultur gefunden. Und den haben sie sich redlich verdient. Sie überzeugen nicht nur mit ihrer Qualität. In ihrer Vielfalt wimmelt es von Abtauchmöglichkeiten in ganz andere Welten.

„Fremde Welten“ können Orte sein, die neugierig machen, die Angst machen, die unbekannt und damit fremd sind. Es können fremde Länder auf anderen Kontinenten mit erstmal fremden Kulturen in der angeblich real existierenden Welt sein. Die fremden Welten können Paralleluniversen, Schein-, Schatten-, Traum-, Unterwelten, andere Planeten, eine „virtuelle Realität“, ein Märchenwald, das Nirvana, Biotope vieler couleur, Luftschlösser, Utopia, das Weltall, das Schlaraffenland, das Paradies, die Idee von Himmel und Hölle, ein Wolkenkuckucksheim, Orte der Emigration … sein.

Die sogenannte Wirklichkeit ist kalt, böse und verständnislos. Soll doch die Realität machen, was sie will. Das Bewohnen „Fremder Welten“ kann individuell angenehmer und sozial verträglicher sein.

Menschen schaffen sich neue Welten, um aus der gewohnten, überdrüssig gewordenen, verhassten Umgebung entkommen zu können. Sie begehen Weltflucht, weil sie die „Realität“ nicht mehr ertragen. Sie hatten schlimme Erlebnisse und versuchen sich durch Abkapselung und ein selbst geschaffenes Paradies zu schützen. Woanders könnte es eventuell besser sein.

Der Mensch erfand sich Märchen und Geschichten zum Trost und um in Not, Armut und Bedrängnis überleben zu können. In ihnen kann er seine Träume von Unverwundbarkeit und Allmächtigkeit leben.

Phantasiegestalten
Heinzelmännchen (für die Hausarbeit)
Tiere für bestimmte erwünschte oder gefürchtete Eigenschaften (der schlaue Fuchs; der Wolf im zähnefletschenden Dauereinsatz; der Angsthase; fliegende Pferde und riesengroße Vögel für die blitzschnelle Bewältigung von weiten Strecken)
Werwolf (für die Ambivalenz zwischen Gut und Böse mit dem Jekyll-Hyde-Effekt),
Vampire (für Unsterblichkeit und ungebremste Sexualität)
Außerirdische (für die Frage nach Leben auf anderen Planeten, Angst vor höherer Intelligenz)
Feen (Wunscherfüllung), gute und böse ZauberInnen
der Unsichtbare, Zombies, Helden, die Kreatur von Viktor Frankenstein, Drachen, Lindwürmer, Trolle, Elfen, Zwerge, Riesen, Ungeheuer

Er schuf sich zur Gesellschaft „imaginäre Freunde“ und zur Unterhaltung Märchenfiguren, Fabelwesen, wie Menschen agierende Tiere, Phantasiegestalten.

Volksmärchen beschäftigen sich mit den Nöten und Träumen des „einfachen Volks“. Die Wunscherfüllung für gute Menschen ist garantiert: Unbezwingbarkeit im Widerstand gegen böse Wesen, die Überwindung der Armut. Sie werden ein gückliches und zufriedenes Leben ohne Sorgen führen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

In der Literaturform der Kunstmärchen geht es weniger gnädig zu.
„Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ (Hans Christian Andersen, 1845) ist bitterarm und muss in winterlicher Eiseskälte Schwefelhölzer für ihren Lebensunterhalt verkaufen. Im Verlauf ihres Erfrierungstods sieht sie all die ersehnten und schönen Dinge, die sie nie haben konnte.

Trolle und Elfen in Island
Über 50 Prozent der Menschen in Island glauben an die Existenz von Elfen. Der landeseigene Elfenkundler weiß von 13 verschiedenen Elfensorten, drei Arten von Unsichtbaren, drei Feenarten, zwei Gattungen von Trollen und vier Gnomtypen.
Beim Bau von Straßen wird darauf geachtet, die Elfen und Trolle nicht zu erzürnen. Wird bei den Bauarbeiten ein Elfenhaus beschädigt, kann es zu seltsamen Ereignissen kommen. Das Baugerät funktioniert plötzlich nicht mehr. Hühner legen keine Eier mehr. In Island winden sich Straßen um Steine herum, in denen die magischen Geschöpfe vermutet werden.

Foto: Phil Champion [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Zu den archaischen Fabeln und Legenden in Buchform haben sich die Top-of-the-day-Errungenschaften zur Tagtraumerfüllung wie Casting-, Gewinn- und Realityshows sowie Dokusoaps in der Welt des Fernsehens gesellt.

Fernsehen mache Kluge klüger und Dumme dümmer, heißt es.

Über das Fernsehen als hirneindämmernde Dauerglotzanlage schimpfte die Musikerin Nina Hagen im Jahr 1978 in ihrem „TV-Glotzer“.

Lost in strange worlds

Zu viele Filme zu gucken, das zu häufige Abtauchen in andere Welten birgt, gewisse Gefahren. Das Leben findet eben nicht auf Kinoleinwänden und Bildschirmen statt. Vielzuvielgucken, statt sich den Erfordernissen des Alltags zu stellen, kann eine Flucht vor den Problemen des realen Lebens sein. Auftretende Konflikte sind die der anderen und werden via Drehbuch und Happy End gelöst. Sich in zwei Tagen die DVDs einer kompletten Staffel reinzuziehen, kann zu Verschiebungen in der Selbst- und Realitätswahrnehmung führen. Die Serieninhalte fließen in die eigenen Träume ein. Plötzlich sehen – da draußen im Leben und Sonnenlicht – die Menschen aus wie die aus der momentanen Lieblingsserie.
Spätestens dann wird es wohl Zeit, auf eine schöne, grüne Wiese zu gehen und die zwitschernden Vögel nicht für die Geräusche des Bildschirmschoners zu halten.

Serienjunkies unter sich

Die TV-Serie um den Wuschelaußerirdischen „Alf“ war ihrerzeit ein Straßenfeger. Einige Minuten vor Sendebeginn leerten sich die Kinderspielplätze in großer Eile.
Das ist lange her. Heute kann das Leben aus der Konserve individueller geführt werden.
Zwischen den Sitzungsorgien können sich die Serienjunkies im Internet auf den Portalen www.serienjunkies.de oder www.tv-serien-fan.de treffen. Digital-terrestrisch betreibt der Wiener Sender FM4 die Radioserie „Open Mike“. Am 3. September 2012 ging es um „Das Gesetz der Serie“ mit dem Untertitel „Spoiler-Alarm: Ein FM4 Open Mike für Serien-Junkies. Und alle, die es noch werden wollen.“

Die Quantentheorie als Phantasiequelle

Schöpften die Märchen aus der Sehnsucht nach einem besseren Leben ihre Phantasie, trägt bei der Kreation der TV-Serien die Quantentheorie sehr viel bei.

Die Werner Heisenberg-Büste in der Münchner Ruhmeshalle.

So tauchen der Name Werner Heisenbergs und seine Werke immer wieder in Fernsehserien auf:
Werner Heisenberg (1901 bis 1976) war ein deutscher Physiker und Philosoph. Seine Theorien und Werke bieten viel Inspiration und Ideen für das Schreiben von TV-Serien.

Dazu Professor Dr. Heinz Oberhummer von den Wiener Science Busters:
„Werner Heisenberg war einer der berühmtesten Physiker des 20. Jahrhunderts. Er stellte die sogenannte Heisenbergsche Unschärferelation auf, die besagt, dass z.B. Ort und Geschwindigkeit nicht gleichzeitig messbar sind. Das bedeutet allgemeiner gesprochen, dass wenn man etwas kennt, Aussagen über andere bestimmte Eigenschaften nicht mehr möglich sind.
Diese prinzipielle Unbestimmtheit in unserer Welt fasziniert offensichtlich auch künstlerische filmische Kreise, weil sie eigentlich atypisch für die Naturwissenschaften mit ihrer Berechenbarkeit ist. Sie kann eher der künstlerischen Freiheit und Fantasie zugeordnet werden.“

In der Science-Fiction-Serie Star Trek tritt der „Heisenbergkompensator“ als „wissenschaftlicher Witz“ auf.

Da die Abtastung für Lebewesen auf Quantenebene passieren sollte hatten die Star-Trek-Erfinder ein Problem: Nach der heisenbergschen Unschärferelation ist es nämlich nicht möglich Ort und Impuls eines Teilchens gleichzeitig beliebig genau zu bestimmen – genau das sollte aber der Star-Trek-Transporter tun. Also erfand man den „Heisenberg-Kompensator“ der die Unschärferelation aushebeln sollte. Auf die Frage wie der Heisenberg-Kompensator denn funktioniere antwortete Gene Roddenberry einmal lapidar: „Danke gut.“.

Quelle: http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Subraum.html; Interpunktion wie im Original

In der ideensprudelnden Serie „Futurama“ von Matt Groening und David X. Cohen wimmelt es von quantentheoretischen Anspielungen und Verweisen. Nerdige ZuschauerInnen freut’s, die anderen merken’s gar nicht.

In der Serie „Breaking Bad“ erkrankt ein Chemielehrer an Krebs. Durch die Krankheit und den nahenden Tod ist er endlich in der Lage, über seinen Schatten zu springen und die eigenen Grenzen zu überschreiten. Er steigt ins Drogengeschäft ein und arbeitet als Dealer unter dem Pseudonym „Heisenberg“.

In der Serie „Twin Peaks“ wird aus „Physik und Philosophie“ von Werner Heisenberg zitiert.
FBI-Special-Agent Dale Cooper sitzt bei seiner neuen Flamme Annie Blackburn im Café. Sie sprechen über ihre junge Liebe und wie sie sie wahrnehmen.
Sagt sie: „Was wir wahrnehmen, ist nicht die Natur selbst, sondern die Natur nach Maßgabe unserer Untersuchungsmethode.“ *
Sagt er: „Heisenberg.“

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* Das Originalzitat lautet: „Und wir müssen uns daran erinnern, daß das, was wir beobachten, nicht die Natur selbst ist, sondern Natur, die unserer Art der Fragestellung ausgesetzt ist.“
Heisenberg, Werner: Physik und Philosophie. Berlin: Ullstein 1977, S. 40

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